8. März 2010 13:18
So...
Wenn jetzt schon mindestens eine andere Person das Buch gelesen hat, dann kann man auch langsam mit den Diskussionen, welche Spoilerinformationen beinhalten, anfangen.
Zunächst einmal: Dass ich Mörder vorraussehen konnte, stimmt nicht so ganz. Beim ersten Lesen war ich vom Ende auch völlig überrascht, aber da hab ich mir halt auch noch nicht so ganz viele Gedanken gemacht - dazu hätte ich zwischendurch anhalten und nachdenken müssen.
ich denke, wenn man das tut - in der Mitte oder relativ kurz vorm Ende - könnte man doch erahnen,
und
Zu den genannten "Geheimnissen":
In dem Buch wird eine Affäre ziemlich deutlich beschrieben - die von Marks Mutter. Das Einzige, was
nicht direkt gesagt wird, ist, mit wem sie nun die Affäre hat. Auf der anderen Seite gibt es ausreichend Hinweise, um es deuten zu können.
Auf der anderen Seite wird noch eine andere Affäre zumindest angedeutet. Es wird nur am Rande gemunkelt, dass es zwischen dem Lieblingslehrer und seiner Ehefrau nicht so gut läuft, es bleibt aber unklar, ob dies an eventuellen homosexuellen Tendenzen oder an einer Affäre liegt. Auch hier kann man zwischen den Zeilen lesen, wo die Wahrheit liegt.
Eine andere Frage wird ebenfalls so kurz angesprochen und dann wieder unter den Teppich gekehrt, dass man sie übersehen kann, aber sie sehr auffällig wird, wenn man gerade nach versteckten Dingen sucht. Roland
Deoys hat das Vertrauen zwischen Mark und Roland angesprochen und ich denke, dass das mehr als nur "ziemlich" auf die Probe gestellt wird. Roland verheimlicht ziemlich viele Dinge, die er erst später - wie selbstverständlich - erklärt. Seine Verwandschaft zu Gart wird ja schon zu Beginn erwähnt und stellenweise geht er einfach davon aus, dass sich Mark Dinge schon selber herleiten kann (dass er den Kontakt zum Polizisten schon vorher hatte).
Abgesehen davon
Mark, auf der anderen Seite
Nichtsdestotrotz ist Roland kurz davor, die Polizei zu rufen, als Mark erklärungslos verschwunden ist.
Zuletzt möchte ich noch eine weitere Theorie zum Buch an sich in den Raum stellen. Es ist aus einer bösen Perspektive geschrieben.
"Held" des Buches ist Mark, der ziemlich hemmungslos ausnutzt, dass ihm die Mädchen zu Füßen liegen (bis auf das eine Mädchen, was ihn wirklich wirklich nervös macht). Explizit wird ihm gesagt, dass er aussehen kann wie der Teufel. Seine Motive zur Gründung der Ritter waren rein egoistisch und es ist reiner Zufall, dass sich die Gruppe in etwas "gutes" entwickelt hat. Die Schule langweilt ihn und er macht sich gar nicht erst die Mühe, das vor den Lehrern zu verheimlichen. Trotz allem, was passiert, stellt das Buch ihn als Helden dar.
"Sidekick" ist Roland. Sagen wir es mit klaren Worten: Er ist ein arrogantes A...l... Es ist schon ein erlesener Kreis von Leuten, die seine Beachtung oder gar Höflichkeit erhalten. Mit Mark teilt er die Eigenschaft, Schule und Lehrer lediglich durchzusitzen, aber auch einfach zu verlassen, wenn er es für nötig hält. Als "Sidekick" des "Helden" wird er ebenfalls als positiv dargestellt.
Bury ist ein ziemlicher Underdog. Ich sehe ihn als Erwachsenen, der im Körper eines Jugendlichen steckt und nur die Zeit totschlagen muss, bis ihm die Schule bescheinigt, dass er das überstanden hat. Er hat seine Zukunft schon durchgeplant und die Zeit bis dahin verbringt er mit dem, was er kann: "Gefallen einfordern", Kochkünste verfeinern und
Er ist intelligent, nutzt seine Möglichkeiten, teilt seine Erkenntnisse (und Kleidung) und wäre somit ein "guter" Character - und doch macht das Buch ihn dadurch schlecht, dass fast jeder Character ihn hasst. Da gibt es die grundsätzliche Pflicht der Gefallen (aber auch nur als Gegenleistung und mit vollem Einverständnis beider Seiten), die sicherlich einige Feinde macht. Anka hasst ihn, weil er zuviel weiß. Roland würde ihn sofort bedrohen. Mark erkennt erst im Laufe des Buches, dass er kein zu schlimmer Zeitgenosse ist. Es wird auf "ihn" geschossen, jemand (spoiler) fährt ihn beinahe über den Haufen - Im Prinzip könnte er der Held eines Buches sein. Aber - mal ganz im ernst - die meisten Leser werden die Auffassung von "Plage" erstmal kopieren.
Die Mutter wird als positiver, wenn auch leicht tragischer, Character dargestellt - was die ihr unsympatischen Charactere auch erstmal in ein negatives Licht stellt. Der Vater kommt damit davon, dass er den erwarteten Streit einfach weglässt und mit seiner Einstellung
massig Pluspunkte sammelt.
Damit bekommt die Tochter ihr Fett weg - direkt dreifach. Einmal direkt über die Mutter, dann indirekt über die Mutter (weil der Vater nichts abbekommt) und dann tritt auch noch Mark auf ihr rum ("aus ihrem Zimmer plärrte ein Lied, in dem sich irgendeine Fiepsstimme wünschte, sie wäre ein Engel. Mark wünschte sich, seine Schwester wäre schon einer" - "ach was sind wir heute wieder böse böse böse") - aber wer ist sie wirklich?
Während Mark die Verbindung zur Mutter hat, hat sie sich immer weiter abgekapselt - sie findet genug Schwachstellen an der Mutter, die sie abstoßen. Auch in der Affären-Geschichte sollte sie Sympathien sammeln können ("Woher weißt Du das? Hat er mit Dir darüber gesprochen?" - "Nein, aber er ist mein Bruder" - "Und Du kannst seine Gedanken lesen" - "Ja"). Zudem ist das auch ein möglicher Grund für ihre Abstoßung.
In den Momenten, in denen sie außer Sichtweite von Mutter und Bruder ist, blüht sie auf (aber das Buch blendet dann sehr schnell aus) - ihre Behäbigkeit verschwindet; sie hat eine ziemlich agile Freundin, die sie sicherlich nicht durch Kekse gekauft hat;...
Lehrer Fischbach wird ebenfalls von Mark ziemlich negativ angesehen - bis hin zum Hass oder Drohungen. Dabei ist er ein Character, der sich für seine Schüler einsetzt, Gefahren abzuwehren versucht, "sich um seine Schäfchen sorgt".. Zwar mag sein "wenn es da etwas gibt, wo ich sie heraushauen muss, sag mir Bescheid!" etwas kitschig wirken, aber es zeigt, was für ein Character er ist. Dass er hauptsächlich von Mark so negativ angesehen wird, sagt eher etwas über Mark aus.
Es ist ein Krimi - mit Mord. Klassischerweise ist damit die böseste Person der Mörder - mit finsteren Motiven, einem Faible für Quälerei und der Eigenschaft, ständig dem Helden ins Sichtfeld zu springen, ohne dabei aufzufliegen.
Wie sieht das hier aus?
Gart lebt nur im ersten Kapitel und dank seinem Tode neigt man erstmal dazu, ihn als Character auszuschließen "Über die Toten redet man nicht schlecht". Roland dagegen sieht das pragmatischer "Das Ereignis, welches aus einem bösen Menschen einen guten Menschen macht, ist für mich nicht der Tod".
Und auch das wenige, was man im ersten Kapitel erfährt, zeichnet ein eher negatives Bild. Es wird gesagt, dass er diesmal einen Fehler gemacht und dabei erwischt wurde - was dann zu den Ereignissen geführt hat. Das zeigt aber auch, dass er die vorherigen Male nicht erwischt wurde. Bedenkt man nun, dass diese Aktion
So oder so ist Gart kein positiver Character.
Was bleibt zum Schluss? Die vermeintlichen Helden sind bei genauerer Betrachtung keine positiven Charactere. Stattdessen sind die heimlichen Helden jene, die auf den ersten Blick böse sind oder zumindest als nicht-positiv in erster Erinnerung bleiben.
Aber das ist meine Meinung und die ist selbstverständlich zur Diskussion freigegeben. ;)
Grüße,
TCC